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Let's go psycho!
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Hosannas from the Basements of Hell (Audio CD) Welch ein Malstrom von Songs der sich mit kreischenden Gitarren, sphärischen Keyboardsounds, donnernden Drums und den Jaz Coleman typischen Vocals, zwischen grenzenlosen Optimismus und grenzenloser Verachtung bewegt. Der ursprüngliche Titel für das Album lautete Warzones, aber laut Coleman wollte die Band als Nachfolger des 2003 Albums, dass durch den Irak Krieg sehr politisch geprägt war, nun ein Album machen welches spiritueller klingt, ganz so wie eine Feier des Lebens nach einem Gang durch die Hölle und zurück. Folglich werden die alternativen Gedankenwelten und Philosophien des Jaz Coleman vorgetragen, die für die Mainstreamausrichtung großer Plattenfirmen wohl nur schwer vermarktbar sind, richten sie sich doch teils genau gegen diese Konsummaschinerien. Weiter legte die Band bei den Aufnahmen darauf Wert, so weit wie möglich alles in Livetakes einzuspielen, um der Sterilität zu entkommen, die ihrer Meinung das vorangegangene Album zu sehr geprägt hatte. Aufgenommen wurde das Album in einem Kellerstudio in Prag, welches der Band gleichzeitig als Proberaum diente. Dementsprechend rau und brachial ist der Sound, eher Lofi als Hifi. Das Album beginnt mit dem kurzen Opener This tribal antidote, der den Hörer in die Weltanschauung von Killing Joke schon fast fröhlich hineinkatapultiert. Die Musik von Killing Joke als Medizin und Therapie gegen die Unzulänglichkeiten des täglichen Lebens, dass ist das Motto des Albums. Aber gleich der anschließende schnelle und sehr aggressive Titelsong zeigt, wie sich die Wut über diese Unzulänglichkeiten äußern kann, I harbour thoughts of killing you. Im weiteren Verlauf definiert Coleman natürlich Killing Joke als Katharsis und am Ende bringt er zwar den Protagonisten nicht um, aber Im not a murderer, yet, lässt zumindest die Möglichkeit für die Zukunft offen. Das folgende langsamere Invocation ist ein Song, der durch die im Libanon aufgenommene Perkussion und das von Coleman im usbekistanische Tashkent dirigierte Streichorchester einen fernöstlichen Einfluss bekommt, welches zum Thema Babylon natürlich sehr gut passt. Implosion im Anschluss ist wieder aggressiver und glänzt mit teils industrial mäßigen Keyboard- und Gitarrensounds. Majestic klingt versöhnlicher und bereitet vor auf die beiden längsten Songs des Albums, das marschierende und sehr hymnischeWalking with gods, sowie der neunminütige Lightbringer. Letztgenannter Song beschäftigt sich mit den Anunnaki, den Göttern der Sumerer, die einigen Theorien zufolge außerirdische Kreaturen waren die vor tausenden von Jahren auf der Erde gelandet sind, um der Menschheit u.a. neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu bringen. Hier wird Darwin und die christliche Version der Schöpfung gleichermaßen provokant in Frage gestellt. Die einen werden diese philosophischen Ausschweifungen in den Texten Colemans zu schätzen wissen, den anderen kann das natürlich als Unfug vorkommen. Judas Goat ist wieder ein Song der zwischen Wut und Hoffnung pendelt, Moll wird gegen Dur gestellt. Hier finden Colemans Impressionen zu Prag auch im Text direkten Niederschlag. Das schwere Gratitude entlässt den Hörer dann fast wider Erwarten mit versöhnlicher, jedoch fast schon wehmütig wirkender Abschiedsgeste aus dem Album: And when you find yourself alone the untrodden path, remember me with a smile, and drink, a gesture or a laugh gratitude. Hosannas.. ist ein typisches Killing Joke Album. Es ist weitaus sperriger und teils auch aggressiver als die drei vorherigen Studioalben. Die Songs haben meistens Überlänge, und leben von Mantra ähnlichen Wiederholungen, die schon teils eine Trancewirkung hervorrufen. Gerade das macht dieses Album schwer zugänglich, aber auch zum künstlerischen Gegenentwurf des Vorgängers. Es ist ein Album, dass textlich und musikalisch Kontroversen auslöst, es wirkt in der heutigen Musikszene aber dadurch erfrischend verstörend. Erwähnt sei übrigens noch die ergänzende Covergestaltung durch Gemälde des surrealistischen Prager Maler Victor Safonkin, welches aber leider nur bei der Vinylausgabe richtig zur Geltung kommt. Es ist das perfekteste unperfekte Studioalbum, welches die Band hätte machen können. Und wer weiß, vielleicht ist am Ende doch nur alles ein Joke...
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 9. November 2006 | | |
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